Arbeit

Lehrer, Direktor, Förderschullehrer, Dozent

Lehrer seit 1976 im Leipziger Südwesten und Grünau.

1971 hatte ich die Chance auf den Vorkurs an der Karl- Marx- Universität Leipzig, dort erwarb man die Hochschulreife in einem Jahr. Dieser Kurs war mathematisch- physikalisch Interessierten Abgängern der 10. Klasse vorbehalten. Man war eingeschriebener Student und Schüler gleichzeitig.

Von 1972 bis 1976 studierte ich dann Physik und Mathematik und schloss das Studium mit dem akademischen Titel “Diplomlehrer für Physik und Mathematik” ab. Mit dieser Ausbildung durfte man Oberschüler und erweiterte Oberschüler in den Fächern Physik und Mathematik beschulen.

Damit war ich mit 21 Jahren einer der jüngsten Lehrer der DDR.

1979 studierte ich noch postgradual Astronomie.

Ab 1981 hielt ich Seminare im Rahmen der Weiterbildung zu den Themen Experimente im Physikunterricht.

Nach 9 Jahren hatte ich 3 Klassen zum Abschluss der 10. Klasse geführt und wollte was anderes machen. 1983 ging ich zum Schulleiter und meinte ob ich nicht eine Schule leiten könne. Wo man sich da bewerben könne. Falsch gedacht, ich war damit der erste mir bekannte Lehrer der sich bewarb und nicht ausgesucht wurde. Letztlich wurde ich auch ausgesucht und war dann 1984 stv. Schulleiter und noch im selben Jahr dann Schulleiter einer Schule in Leipzig Grünau.1983 entwickelte ich mein erstes Projekt, “Auf dem Spuren Alfred Franks, der Maler mit dem Roten Stern”, ein antifaschistisch orientiertes Projekt, für den Leipziger Südwesten. Schon hier musste ich erkennen, dass wenn man die Schüler in der Entwicklung nicht einbezieht vieles an ihnen vorbeiläuft. Die Nachnutzung war jedenfalls bescheiden.

1984 studierte ich postgradual Leitung und Organisation.

Ich glaube es war 1985, bekam ich die Chance eine Schule in Leipzig Grünau aufzubauen. Die Schule war 1984 schon als fertig gemeldet, doch als ich sie übernahm, waren noch die Bauarbeiter da. Kein Klassenzimmer eingeräumt. Folgerichtig wurde sie dann ohne jede Öffentlichkeit eingeweiht und begann mit vier Klassen, 80 Schülern und fünf Horterziehern und Lehrern, als ich 1991 die Schule übergab, waren es 33 Klassen und 824 Schüler 54 Horterzieher und Lehrer.

Nunmehr versuchten wir an der Schule, wir würden heute sagen in Projekten, zu Lernen, zu Arbeiten und unsere Freizeit zu gestalten. Dass so etwas funktionieren kann, zeigten wir dann bei der Namensweihe unserer Schule, “Bruno Apitz” hieß diese dann.

Die Wende habe ich dann in meinem Mikrokosmos völlig verschlafen. Ganz im Gegenteil ich hielt sie für nicht zielführend und verhielt mich auch so.

Ich engagierte mich dann am runden Tisch Bildung und vertrat dort die SED später PDS. Schnell musste ich erkennen, dass

  1. die Einheitsschule keine Chance hatte

und zum anderen

  1. schnell andere, aus dem Westen Hinzugekommene das Sagen übernahmen.

Die Chance auf eine Neue Schule – Gleiche Chancen für alle Kinder bei gleichzeitiger Partizipation der Kinder- war und ist für mich auf lange Zeit vertan. Schließlich löste ich mich völlig von der Bildungspolitik, wegen vorgegebener Erfolglosigkeit. Die momentane Bildungspolitik bekämpft Symptome und stützt letztlich, auch durch die Linke befördert, Auslaufmodelle.

Ich denke die Einheitsschule wird in Zukunft wieder Raum gewinnen.

1987 gingen die ersten Schüler meiner Schule unmittelbar nach Abschluss der zehnten Klasse zur erweiterten Oberschule. Schüler unserer Schule kamen problemlos nach zwei Jahren zum Abitur, studierten dann und sind größtenteils heute die “Träger” der Gesellschaft. Hohe fachliche, vor allem naturwissenschaftliche Kompetenz, zeichnet diese aus.

1991 verließ ich meine Schule und meinen bis dahin behaltenen Leitungsposten und ward bis zur Rente Förderschullehrer.

1992 wurde ich mitten im Schuljahr ich wegen Systemnähe aus dem Schuldienst entlassen. Ich könnte ja die Kinder versauen. Diese Entlassung erfolgte jedoch nicht unmittelbar, sondern das Schuljahr musste ich noch zu Ende bringen.

Es erfolgte eine Anhörung und ich freute mich, im vermeintlichen Widerstand waren offensichtlich alle in meiner Familie, mein Opa verstecke Kommunisten vor der Verfolgung (er selbst wollte kein Kommunist sein) in seiner Wohnung, mein Vater hatte Berufsverbot unter Ulbricht und nun ich.

Die Entlassung erfolge doch, das sich anschließende Gerichtsverfahren hatte kafkaeske Züge.

Stasinähe ohne jeden Nachweis, die Anrede in den Schriften als Frau Engelmann. Mit dem Referendar vom Amt entwickelte sich ein Dialog, den ich bis heute immer wieder belächele.

„Sie schreiben“                so der Referendar, übrigens kein Volljurist,

„auf unseren Vorwurf, sie seien schon mit sehr jungen Jahren Direktor geworden, das läge an ihrer überdurchschnittlichen Intelligenz, wenn ich aber ihr Abitur anschaue finde ich da Noten von zwei und drei“,

darauf frage ich zurück                                 „in wieviel Jahren er das Abitur erlangt habe“,

Hier will mich übrigens mein Anwalt halten und vor einer weiteren Rede bewahren, aber der Richter meint, lassen sie ihn doch sprechen, das interessiert mich auch.

antwortet er, der Referendar                   „drei Jahre“

„sehen Sie“        sage ich darauf hin         „ich habe dafür nur ein Jahr benötigt“.

Er lässt nicht locker und bleibt beim Karrierevorwurf,

darauf ich                           „wieviel Jahre sollte man denn abwarten, bis man Kariere macht“

er                                           „Na 8 Jahre sollte man schon Erfahrung sammeln“

ich                                         „mit 32 Jahren war ich Direktor, mit 21 Jahren begann ich als Lehrer, rechnen sie doch bitte mal nach.“

Ich blieb im Schuldienst.

1995 begann ich mit der Entwicklung von Projekten, die zur Nachnutzung freigegeben wurden und häufig ausgezeichnet wurden, teils auf die Gesamtprojekte, teils auf Einzelprojekte, die dann aber die Kollegen verantworteten.

Hier ausgewählte Projektnamen, werden zur gegeben Zeit zum Download bereitgestellt:

Die Freizeit aktiv und bewusst gestalten (fünf Teilprojekte ausgezeichnet)

Gewalt macht einsam (mehrfach in Gesamtheit ausgezeichnet und auch mehrere Teilprojekte)

Müll war noch nie so wertvoll wie heute (gemeinsames Projekt von einer Lernförderschule, Mittelschule und eines Gymnasiums im Leipziger Südwesten, mehrfach ausgezeichnet, erstmals veröffentlichen Schulen ihre Ergebnisse im Internet, mehrere Auszeichnungen und Fördergelder)

Unser Stadtteil erkunden (Nach Umzug einer Schule aus Plagwitz nach Kleinzschocher, Zusammenarbeit mit dem Stadtteilladen und regionalen Akteuren, Dokumentation verschollen)

Sport erhöht die Lebensqualität  Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Sport und den darin verborgenen Chancen und Risiken; Kein Sportfest aber teils sportliche Betätigung)

Fliegen (ein Projekt aus dem Arbeitslehre, Physik und Biologieunterricht heraus inkl. Ballonfahrt)

Schulfest, wir machen unsere Kleinmesse selbst (In Zusammenarbeit mit Studenten der Uni Leipzig)

Olympia nach Leipzig (Erkundungen zur Olympiabewerbung)

Wir ziehen um (von Plagwitz nach Kleinzschocher, lebensnahe Transformation von Umzug zu Hause auf den einer Schule bis hin zur Vorplanung der neuen Klassenzimmer … verschollen)

2006 studierte ich postgradual Informatik für den Förderunterricht

2012 erhielt ich eine Abordnung an die Universität Leipzig und konnte dort den Studiengang WTH/S am Institut für Förderpädagogik unter Leitung von Prof. Hofsäss aufbauen.

2013 wurde der Studiengang genehmig und kam in die Gänge. An der Uni selbst gab ich bis zum heutigen Tage Seminare „nachhaltige Energiegewinnung“, „Förderbesonderheiten der Mathematik“, „Betriebswirtschaftslehre“, „Wohnen“, „Fertigungslehre“, „Elektrotechnik“ und „Experimente“

Inzwischen sind die ersten Studierenden im Schuldienst.

2019 beendetete ich meine Lehrveranstaltungen und widme mich nur noch den aus den Seminaren aufgetanen offenen „Lösungsansätzen“

Folgende „Produkte“, sind aus den Lehrveranstaltungen hervorgegangen: Ein Kartenspiel welches die gesunde Ernährung befördert und drei Lernkisten, die die Herstellung von Gebrauchsgütern untersuchen und auf Nachhaltigkeit orientieren.  Weitere Dinge werden derzeit aufgearbeitet. Selbstverständlich fußen die Ergebnisse auf Auseinandersetzungssprozessen, die Studierenden anderen Lehrenden durchlebten und produktiv nutzten.